Was ist dran und vor allem drin im Bio-Plastik? – Von Manuel
Bambus, Bio-Plastik, Recyclat, Aluminium, Emaille,… Alternativen zu Plastik gibt es viele. In diesem Beitrag geht es um Bio-Plastik, und was wirklich Bio am Bio-Plastik ist. Was das ganze mit Hundekot zu tun hat? Findet es heraus…
Es tut sich was!
Es ist toll zu sehen, dass sich das Bewusstsein gegen Plastikmüll und für mehr Nachhaltigkeit durchsetzt und dadurch auch zunehmend Alternativen angeboten werden.
Ein Bereich ist in den letzten Monaten stärker in den Vordergrund gerückt worden: Bio-Plastik. Aber was soll hier alternativ erreicht werden? Der Wortsinn von Alternativ ist laut Wikipedia [wiki] eine Entweder-oder-Entscheidung: Fleisch oder Fisch. Über die Vorteile von Plastik haben wir schon geschrieben [hier]: leicht, bruchsicher, in alle möglichen Formen herstellbar, etc. Will man dazu eine Alternative anbieten, dann sollte diese auch möglichst nahe an das Original herankommen. Damit eine Alternative auch noch erfolgreich wird, muss sie diese Eigenschaften oder Vorteile möglichst besser oder billiger als das Original anbieten.
Was ist das Geheimnis des Erfolgs von Bio-Plastik und was macht Bio-Plastik denn „besser“? Es sieht aus wie Plastik, wird auf ähnlichen Maschinen hergestellt und erfüllt sonst auch die oben genannten Vorteile. Was noch? Es soll sich zersetzen wie Papier und haltbar sein wie der gute alte Kunststoff. Mehr kosten darf es auf jeden Fall nicht! Hauptsächlich geht es um die Vermeidung von Müll. Also nichts, was später in hässlichen Bildern am Strand oder im Ozean endet. Das eigene Verhalten muss man nicht ändern und erst recht nicht anders einkaufen. Kundentreue. Alles andere wäre wohl aus Sicht der Produzenten eine Zumutung.
Was ist drin im Bio-Plastik und wie steht es um die Verträglichkeit gegenüber der Umwelt und Gesundheit?
Bio-Plastik ist nicht gleich Bio-Plastik
Der Begriff „Bio-Plastik“ ist nicht geschützt und wird daher für unterschiedliche Materialien gleichsam verwendet [B1]. Zum Einen geht es um biobasierte Kunststoffe und zum Zweiten meist um biologisch abbaubare Kunststoffe:
– Biobasierte Kunststoffe bestehen zu großen Teilen aus nachwachsenden Rohstoffen oder aus Rest- und Nebenprodukten aus der Landwirtschaft.
– Biologisch abbaubare Kunststoffe sind aus Materialien, die unter bestimmten Bedingungen von Mikroorganismen oder Pilzen abgebaut werden.
6 Fakten zu Bio-Plastik – und warum man darauf getrost verzichten kann
- In der Umwelt zersetzt sich biologisch abbaubarer Kunststoff ähnlich langsam wie normales Plastik. Dadurch funktioniert die Kompostierung nicht bzw. würde so lange Dauern, dass sich kompostieren nicht mehr lohnt. Alles würde verrotten, nur das Bio-Plastik nicht. Dies gilt auch unter industriellen Bedingungen. Natürliche Materialien zersetzen sich im Vergleich wesentlich schneller.
- Biologisch abbaubare Kunststoffe können von normalen Kunststoffen nicht unterschieden werden. Diese also über den gelben Sack zu entsorgen funktioniert nicht, da es für sie keine sogenannte „Sortiergruppe“ gibt. Das Einführen einer Sortiergruppe macht keinen Sinn, da die erkennbaren Merkmale von Bio-Plastik nicht von „normalen“ Plastik in den automatischen Sortieranlagen unterschieden werden kann. Am Ende landen diese dann in der Müllverbrennung. Also geht hier das Bio-Plastik mit dem „richtigen“ Plastik zur energetischen Verwertung.
- Aus dem gleichen Grund funktioniert auch das Entsorgen über die Bio-Tonne nicht: man kann Bio-Plastik nicht vom herkömmlichen Kunststoff unterscheiden und wird daher aussortiert. Je nach Kommune nimmt der Entsorger die Tonne dann gar nicht erst mit oder vergibt Strafen, wenn er in Stichproben bei der Abholung Plastik in der Tonne findet [AK].
- Durch die langsame Zersetzung sinkt unter anderem der Nutzen im Kompost gegen Null. Da biologisch abbaubare Kunststoffe meist nur zu Wasser und Kohlenstoffdioxid zerfallen bleiben keine Nährstoffe im Kompost.
- Die gesamte Ökobilanz fällt für beide Arten des Bio-Plastik nicht wesentlich besser aus, als bei herkömmlichen Plastik: Energieeinsatz in der Herstellung, Haltbarkeit im Gebrauch und Entsorgung sind nahezu identisch zum Original-Material.
- Der Irrglauben und das vermeintliche Versprechen des abbaubaren Plastiks führt auch dazu, dass solche Bio-Plastikbehälter einfach in die Natur geworfen werden.
Das Gewissen soll entlastet werden, der Nutzen soll der Gleiche bleiben: Einweg bleibt daher Einweg.
Bio-Plastik ist also keine echte Alternative zu herkömmlichen Plastik. Es macht nur Sinn, wenn die Ökobilanz stimmt. Dazu gehört auch, daß die genutzten Rohstoffe und Materialien nicht irgendwo anders im Stoffkreislauf fehlen, beziehungsweise weggenommen werden, wenig Chemie bei der Herstellung zum Einsatz kommt und letztlich auch die Kosten für Transport und Logistik mit betrachtet werden.
Was besonders Irre ist: Interessanterweise wird Bio-Plastik in Form von Beuteln gerade für den Bioabfall angeboten. Oder auch in Form der berühmten Hundekotbeutel. Der Inhalt zersetzt sich schneller als die Hülle…
Greenwashing: „Vermeintlich grüne Wegwerfprodukte sind wie eine Lizenz zum Geld drucken, weil die Kunden dem grünen Aberglauben aufsitzen und auch bereit sind, den höheren Preis zu zahlen“
Thomas Fischer, Deutsche Umwelthilfe DuH
[wiki]: https://de.wikipedia.org/wiki/Alternative
[B1]: https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2018/reste/verpackungen-sie-sind-der-suendenbock-fuer-unsere-lebensweise
[AK]: https://www.ak-kurier.de/akkurier/www/artikel/58437-awb-kreis-altenkirchen–rote-karte-fuer-braune-biotonnen
[…] werden die Behälter aus Bambus oder anderen Naturgräsern (Stroh,…) auch als biologisch abbaubar angepriesen. Es geht dann oft um sogenannte Polymilschsäuren, ein Kunststoff, der in den […]
[…] bio-Plastik nicht die Lösung ist habe ich hier schon beschrieben. Fazit: Es ist viel wahrscheinlicher, dass die Kapsel in der Verbrennung […]