Welcher Preis ist für ein nachhaltiges Produkt akzeptabel? – von Nicole
Diese Frage habe ich mir schon oft gestellt, wenn ich auf der Suche nach nachhaltigen Alternativen war. Besonders bei Kleidung erscheinen mir die Preise für Wolle, Leinen, Seide, Cashmere usw. doch sehr hoch zu sein. Dass wir Produkte aus diesen Materialien nicht für „ein Appel und ein Ei“ bekommen ist uns klar, außerdem wollen wir ja auch den fairen Handel unterstützen. Aber wo liegt die Grenze zwischen zu billig und zu teuer? Auch bei Brotdosen aus Metall oder anderen Artikeln ist diese Frage berechtigt. Zudem bedeutet bei vielen Artikeln das Achten auf Nachhaltigkeit oder Verträglichkeit nicht unbedingt einen monetären Nachteil, sondern eher, dass wir einen nicht-materiellen Preis zahlen – den des Verzichtes.
Um Antworten zu finden habe ich mich im Internet umgesehen und diverse „Nachhaltigkeits- Shops“ durchstöbert. Die Alternative des „Selber-Machens“ (auch DIY genannt) habe ich ebenfalls bei einigen Alternativen betrachtet. Von Haushaltswaren über Kosmetik bis hin zu Kleidung. Das sind die gängigsten Bereiche, die uns beim Thema Nachhaltigkeit und fair sofort einfallen.
Zu all diesen Dingen gibt es Alternativen, die als nachhaltige Produkte angepriesen werden. Leider muss man auch diese Produkte einer Prüfung unterziehen, ob sie den Grundgedanken von Nachhaltigkeit und fair erfüllen, bzw. umwelt- und gesundheitlich verträglich sind. Zu einigen Alternativ-Materialien hat Manuel recherchiert und einen Artikel verfasst, in dem ihr mehr Details erfahren könnt: Alternativlos? Materialien als Ersatz für Plastik im Vergleich
Demnach betrachten wir nur Produkte, die auch wirklich unserem Verständnis von Nachhaltigkeit entsprechen und somit für uns Sinn machen.
Haushaltswaren:
Produkte, die in diese Kategorie passen, gibt es viele. Holzlöffel oder Glasschüsseln sind mittlerweile in jedem Geschäft zu relativ erschwinglichen Preisen erhältlich. Wie sieht es aber bei Dosen oder Trinkflaschen aus Edelstahl aus? „Die gibt es doch zahlreich und günstig im Internet!“, werden jetzt wahrscheinlich viele von euch denken. Das stimmt auch, aber sind diese Produkte nachhaltig, nur weil sie aus Edelstahl sind? Das Material ist hierbei nicht der entscheidende Faktor, sondern die Herkunft. Manuel hat recherchiert, dass es für deutsche Produzenten viel zu teuer ist Produkte aus Edelstahl herzustellen und dass diese Artikel meistens in Asien produziert werden, auch wenn der Vertrieb über eine deutsche Firma läuft. Bedenkt man dabei den langen Transportweg und die damit verbundenen Emissionen erscheint das nicht wirklich nachhaltig, oder? Ich will damit nicht sagen, dass keine Produkte aus Edelstahl mehr gekauft werden sollen, nur weil sie nicht in Deutschland gefertigt wurden oder einen langen Transport hinter sich haben. Doch das Fazit, welches sich daraus ergibt ist, dass diese Produkte „zu billig“ im Ausland zu fertigen sind, oder anders formuliert: Den Käufern wäre ein in Deutschland hergestelltes Produkt vermutlich zu teuer und deswegen wird es erst gar nicht hier gefertigt. Das sieht mir verdächtig nach einem Teufelskreis aus: würden wir bereit sein mehr für solche Artikel zu zahlen, würden mehr (oder überhaupt) deutsche Firmen diese Produkte herstellen, aber selbst, wenn wir jetzt bereit sind mehr zu zahlen können wir keine kaufen, da es keine gibt!
Um nicht in diesem Teufelskreis mitzuspielen wäre Verzicht die einzige Alternative. Aber wollen wir das? Verzicht?! Jeder muss sich diese Frage selber stellen, denn ich fände es nicht richtig hier eine allgemeingültige Antwort zu geben.
Kosmetik
Bei Kosmetika spielen ganz andere Faktoren eine Rolle. Wie ich bereits in einem früheren Blog erzählt habe, habe ich viele meiner Kosmetikprodukte geprüft (per CodeCheck-App) und diese entsorgt (siehe Mikroplastik – unter uns und überall). Nun kaufe ich nur noch Kosmetika, die natürlich Substanzen enthalten und palmölfrei sind usw. Doch auch diese Produkte sind meistens in Plastik gehüllt. Oder hat von euch schon jemand Mascara oder Puder gefunden, die nicht in einem Plastikbehälter waren? Sofern es also keine Kosmetikverpackungen gibt, die plastikfrei sind, bleibt hier vermutlich ebenfalls nur Verzicht, oder Selbermachen als Alternative. Betrachten wir diese Artikel unter dem Aspekt der Kosten lässt sich feststellen, dass Naturkosmetika relativ günstig erhältlich sind. Die wenigen Produkte, die auch auf Kunststoff als Verpackung verzichten sind aber im Durchschnitt teurer als ihre in Plastik verpackten Konkurrenten. Bei den DYI-Produkten ergibt sich häufiger das Problem, dass die notwendigen Zutaten entweder nur in großen Mengen oder recht teuer erhältlich sind und meistens auch wieder Kunststoffverpackungen haben. Ich muss zugeben, dass ich auch bezweifle, dass die meisten selbst gemachten Produkte einem Vergleich mit industriell hergestellten standhalten können. Demnach verzichtet man also auf bestimmte Eigenschaften, Vorteile oder Komfort.
Kleidung
Wie bereits am Anfang erwähnt erscheinen mir die Preise für Kleidung, die aus nachhaltigen Materialien hergestellt sind, doch sehr hoch zu sein. Meistens werden bei diesen Produkten auch ein fairer Handel und eine umweltverträgliche Herstellung berücksichtigt. Dass Materialien wie Cashmere, Merino- und Alpakawolle etwas mehr kosten als herkömmliche Schurwolle erklärt sich durch die Verfügbarkeit dieser Materialien und der Tatsache, dass diese nicht mit Massentierhaltung gewonnen werden. Wobei hier leider auch ein Trend zu erkennen ist, dass Alpakas usw. mittlerweile auch unter schlechten Bedingungen gezüchtet und gehalten werden, um günstiger an ihre Wolle kommen. Die Kosten für solche Materialien sind durchaus gerechtfertigt und das Einführen von Dumping-Preisen führt unweigerlich dazu, dass die Tierhaltung und Fairness darunter leiden.
Auch bei Bio-Baumwolle, die wesentlich weniger Wasser für ihre Gewinnung und Verarbeitung benötigt als „normale“ Baumwolle ist der höhere Preis gerechtfertigt, wenn man alle nachhaltigen Aspekte betrachtet.
Leider werden solche Aspekte in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr ausreichend gewürdigt und nicht mehr zu schätzen gewusst, so dass die Mehrheit nicht bereit ist einen entsprechenden, fairen Preis für ein Produkt zu zahlen oder zu Verzichten. Denn vielen Menschen bedeutet der pure Besitz mehr als Nachhaltigkeit, Fairness oder sogar Umweltverträglichkeit, einschließlich ihrer Gesundheit. Dieses Ziel wird aber nur erreicht, wenn die Dinge günstig oder erschwinglich zu erwerben sind. „Hoch lebe die Marktwirtschaft, die uns regelmäßig daran erinnert, dass wir neue Dinge brauchen!“
Verzicht ist durchaus eine notwendige und nützliche Alternative. Dabei geht es nicht immer um den vollständigen Verzicht eines Produktes, sondern der Verzicht auf einige Aspekte. Um den Schrecken vor dieser Alternative ein wenig zu mildern möchte ich euch gerne einige Beispiele nennen:
Verzicht auf Komfort
- die Plastikflasche durch die schwerere Glasflasche ersetzen
- Fertigprodukte durch „Selbst gemachtes“ ersetzen, z.B. selber Kochen, Cremes oder Putzmittel selber machen
- Küchenhelfer aus Holz müssen sorgfältiger behandelt werden als welche aus Kunststoff (können nicht in der Spülmaschine gereinigt werden)
- gebrauchte Artikel nutzen (z.B. Second Hand)
- keine Kleidung mit Elasthan kaufen
- öffentliche Verkehrsmittel nutzen statt mit dem Auto fahren
Verzicht auf Eigenschaften
Hierbei handelt es sich um sekundäre Eigenschaften, die den Nutzen des Produktes nicht einschränken.
- die Alternative sieht nicht so „schön“ aus (auch das Aussehen von Verpackungen)
- das selbstgemachte Waschmittel schäumt nicht
Verzicht auf Besitz
- Dinge ausleihen anstatt zu kaufen (Werkzeug, Fahrzeuge, Maschinen, Bücher usw.)
- nicht alles kaufen, was die Werbung anpreist
- keine Kleidung aus Polyester, Acryl usw. kaufen
- keine Artikel aus Microfaser kaufen
- Dinge erst ersetzen, wenn man sie nicht mehr reparieren / reinigen kann und ihr Nutzen nicht mehr gewährleistet ist
Verzicht auf Geld
- Das teurere nachhaltige Produkt kaufen (z.B. Pullover aus Bio-Baumwolle)
- Fleisch in mitgebrachten Behältern an der Frischetheke oder (noch besser) beim Metzger kaufen
Nicht jeder möchte all diese Alternativen des Verzichtes in Kauf nehmen oder kann sie sich leisten. Aber es reicht ja schon sich Gedanken über Alternativen zu machen und bewusst zu entscheiden, was man bereit ist zu „zahlen“ oder zu investieren! Eine Entscheidung darüber, ob etwas „zu billig oder zu teuer“ ist hängt immer davon ab, wie die Alternativen dazu aussehen und was einem es wert ist. Als Unterstützung und Information haben wir zu vielen Alternativen einige Fakten zusammengetragen und für euch veröffentlicht. Da unsere Seite generation-plastik.de lebt und regelmäßig Neues hinzukommt schaut einfach ab und zu mal vorbei. Wir freuen uns auch über Kommentare und Anregungen!
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